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Nemo Ignorat - Der Shop

Hier die Kurse buchen, Kaltbeize und Farbextrakte bestellen
2014
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Els:
So sad ...(but he had a wonderful life with y
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Madame Flamusse:
WOW, ich krieg mich gar nicht mehr ein, was f
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Madame Flamusse:
wunderhübsch sieht das aus,... und dein Motto
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die Suse:
:ok: Hej! Wie schön, dass du wohlbehalten bi
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Tira Barba:
Wow, das sind geniale Bilder...ich bin schon
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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Naturfarben

Änderungen im Shop und neue Preisliste

Früher oder später mussten diese Änderungen kommen. Natürliches Indigo hat seit dem letzten Jahr seinen Preis etwa verdoppelt, weswegen ich meine Küpenkits für die Kurse verteuern musste. Dafür sorgt der gleichbleibend gute Dollarkurs dafür, dass die Indigokristalle günstiger geworden sind. Die Farbextrakte habe ich endgültig aus dem Programm genommen, es lohnt sich für mich einfach nicht. Und die Portokosten wurden detailierter beschrieben und angepasst.

Die neue Preisliste könnt ihr hier als PDF herunterladen Oder hier online einsehen.

Zum Shop gelangt ihr hier.

Ich versuche die ganze Zeit ein erschwingliches Shopsystem zu finden in welchen ich auch Bestellungen mit Überweisung annehmen kann. Die meisten preislich machbaren und einfach zu benutzenden Shopsysteme stammen aus den USA. So wie mein BigCartel Shopsystem. Entsprechend geht nur eine Bezahlung per paypal. Ich könnte nun ein sehr teures kommerzielles Shopsystem einbinden, was mich aber mit der entsprechenden Seite mehr kostet als ich im Jahr Gewinn mache oder ich kann einfach weiterhin mein BigCartel Shopsystem verwenden und einfach die etwas umständlichere Bestellung per Mail anbieten.

Bitte beachtet, dass ihr jederzeit auch per Mail und Vorkasse als Überweisung bei mir bestellen könnt. Ich benötige dazu in eurer Mail eure vollständige Anschrift und was ihr genau bestellen wollt.

Mail an mail@nemo-ignorat.de richten.

nemo ignorat 02.06.2014, 21.06 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Shirt Tatoos

Stück für Stück komme ich meinem Ziel näher meine Garderobe selbst genäht zu haben. Angeregt durch meine Shiboriübungen in Japan gab es gestern zwei neue T-Shirts für mich.

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das linke Shirt ist nach meinem eigenen Muster genäht und hat Sticheleien auch auf der Rückseite. Das rechte Shirt is nach einem Alabama Chanin-Muster.
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Rückseite des Shirt.
Beide sind aus Bio-Baumwollsweatshirtstoff von Anita Pavani.
Meine Rosen sind in voller Blüte. Ich bin ja nicht so der Blumentyp, schon gar nicht jemand für Blumenarrangements. In Japan lernte ich dann Ikebana kennen, denn alles in der japanischen Kunst ist miteinander verwoben. Sei es nun der textile Bereich, Töpfern, Teezeremonie oder eben Ikebana.
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Jeder von uns wurden Blumen zugelost und ich endete mit den Nelken. Mit Hiros Hilfe wurde dann noch was hübsches draus. ;o)
Meine Rosen lasse ich ja mehr so wachsen. Das können sie ganz prima ohne meine Hilfe, nur ab und zu werden sie zu den Nachbarn hin etwas eingestutzt oder eben wenn sie versuchen mit Hilfe der Wiastarien den Garten komplett zu übernehmen.
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Albertine
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Paul's Himalayan Musk
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Raubritter
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Veilchenblau
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nemo ignorat 30.05.2014, 12.52 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Japanreise 2. Teil - Shibori und Katazome

Die Gruppe bestand aus insgesamt 9 Teilnehmerinnen aus Kanada, den USA, der Schweiz und Australien (und mir) und in Bryans Haus trafen wir dann noch auf Mini aus Singapur, die immer wieder für ein paar Monate zu ihm zum Lernen kommt.Alle waren sie auf die eine oder andere Weise schon Textilenthusiastinnen und so konnten wir uns gegenseitig immer wieder aufs neue inspirieren und unseren Horizont erweitern.  Nachdem ich den einen Tag in Tokyo überstanden hatte und auch mit einigen Mühen den gemeinsamen Treffpunkt fand, wurden wir von Bryan und einem Nachbar nach Fujino gebracht. Fujino liegt südwestlich des Fuji (der im japanischen übrigens eine Sie ist und einer der, ich glaube, fünf heiligen Berge) inmitten dieser unglaublich grünen Steilhügel. Zum Glück hatten wir nicht nur schönes Wetter, sondern an zwei Tagen auch Regen, so dass ich die von mir so geliebten Wolkenschwaden entlang der Bergkuppen sehen konnte.

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 Die Vegetation ist dank der hohen Luftfeuchtigkeit unglaublich und überall, wirklich überall steht Bambus rum. Ich liebe Bambus. Die einzelnen Stengel sind rund 10 bis 15 Meter hoch und haben einen Umfang von locker 80 cm. Wenn man bedenkt, dass all das schon in dem Sprossen steckt … einfach unglaublich.

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Bambussprosse aufgeschnitten von Innen und von Außen. Bambussprossen haben den kompletten Stengel schon in sich stecken. Die Außenhülle ist mit feinen Haaren bewachsen, die sich wie ein Seehundfell anfühlen.

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Wenn man die steile Auffahrt zu Bryans Grundstück hochgeschafft hat, wird man direkt vor der Haustür von zwei großen Indigoküpen begrüßt. Alte japanische Tonkrüge, in denen früher an nahezu jedem Haus Indigoküpen fermentiert werden hat Bryan gerettet und in ihnen leben nun seine beiden Hydrosulfitküpen.

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Die beiden Keramikkrüge in den Holzfässern sind die Küpen.
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 Diese beiden Küpen sollten uns die nächsten 10 Tage begleiten, denn es verging kein Tag, an dem wir nicht gefärbt haben. Schon am ersten Tag versammelte Bryan uns um die Küpe und erklärte seine Küpen, wie er sie aufrecht erhält und wie man mit ihnen färbt. Als Kollegin nahm ich unter den Teilnehmerinnen des workshop eine Sonderstellung ein, die zu einem interessanten Austausch und der Position einer zeitweiligen Aushilfslehrerin führte. Doch jeder Indigofärber hat so seine eigenen Tricks, seinen eigenen Umgang mit der Küpe und seine eigenen Handgriffe, so dass es auch für mich unglaublich interessant und lehrreich wurde.

 Als erstes färbten wir Baumwollgarne, die er günstig bekommen hatte weil sie unglaublich grausliche Farben hatten. Doch keine Angst, Indigo macht eigentlich alles schön und so wurde aus den seltsamen Beige- und Türkistönen dann doch noch etwas feines. Es wurde in tiefblau, einem etwas helleren blau und in changierend gefärbt. Denn Bryan gehört eine alte Strickmaschine, die Strickschläuche herstellt. Noch steht sie bei einem anderen Freund, aber er plant sie bald zu sich ins Haus zu holen. Jedenfalls färbten wir unsere Garne und er übergab sie dann dem Freund, der daraus einen langen Strickschlauch strickte, von dem wir jede unseren Anteil (etwas mehr als 1 Meter) abbekamen.

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 Nach dieser Fingerübung im Färben mit Indigo (denn letztendlich ging es eigentlich darum mit der Küpe vertraut zu werden ohne etwas wirklich Wichtiges zu verhunzen) führte Bryan uns in die hohe Kunst des Shibori ein. Die Möglichkeiten mit den unterschiedlichen Stichführungen, Faltungen und Abbindetechniken sind so vielfältig, dass man es kaum glauben mag. Einige aus der Gruppe befassten sich ab diesem Zeitpunkt mit kaum etwas anderem als Shibori.

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wood grain Shibori
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Streifenshibori - ich liebe Streifen ;o) - und nicht so einfach herzustellen, wie man so meinen mag

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So sehr mich die einzelnen Techniken auch faszinierten, wartete ich doch auf etwas anderes: Katazome. In diese äußerst faszinierende Technik des Reservedrucks mit Hilfe einer Reispaste, wurden wir am dritten Tag eingeführt.

 Bevor wir nach Japan flogen hatten wir im Januar unsere Hausaufgaben bekommen. Sie bestanden aus 3 Blättern Kaki Shibugami (dem besonderen Papier aus dem die Schablonen für Katazome geschnitten werden), etlichen Stoffen, die wir schon einmal für ein wood grain Muster und eine Akkordeonfaltung vorbereiten sollten, Nadeln und Shiborifaden.

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 Katazome ist mit unserer Blaudrucktechnik verwandt. Die Stellen, auf denen der Reispapp aufgetragen wird bleiben weiß, alles andere wird blau. Anders als der Blaudruck, bei dem man den Papp mit Modeln aufdruckt, wird hierbei der Papp jedoch mithilfe einer Schablone auf den Stoff aufgetragen. Außerdem können die Schablonen Negativ- oder auch Positivbilder erzeugen und manchmal wird noch mit anderen Farben der Druck weiterbearbeitet. Wir lernten bei Bryan erst einmal die Basistechnik und vor allen Dingen den Umgang mit den mit der Paste bedruckten Stoffen in der Küpe.

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angerührte Reispampe

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Anfang der aufgetragenen Reispampe.

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Bryans Küpen sind wie schon erwähnt Hydrosulfitküpen und sie stehen bei Außentemperaturen vor seiner Haustür und werden ohne zusätzliches Erwärmen verwendet. Das hilft beim Druck mit der Reispaste natürlich. Doch auch ohne Erwärmung hält die Paste maximal fünf Tauchgänge aus. Um ein entsprechend dunkles Blau hinzubekommen muss die Küpe auch entsprechend aufgebaut sein. (Teilnehmerinnen an meinem Indigo Onlinekurs dürfen sich schon einmal freuen, meine Erfahrungen bei Bryan werden direkt in den Kurs einfließen.)

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 Leider ist das Schablonenpapier (Kaki Shibugami) nicht in Europa erhältlich und die einzige US amerikanische Quelle, die ich kenne, verlangt unglaubliche Summen für nur ein Blatt (zzgl. Porto). Das Papier wird hergestellt, in dem man mehrere dünne Blätter Maulbeerpapiers nimmt und diese immer mit der Faserrichtung im rechten Winkel zueinander aufeinander legt und mit fermentierten Kakisaft verklebt. Japanische Kaki sind anders als unsere. Man bekommt zwar auch diese süßen Kaki zum Essen zu kaufen, aber die zum Färben verwendeten Kaki sind unreif und geladen voll mit Tannin. Diese Blätter werden dann noch etwa 10 Tage lang geräuchert und sind dann damit feuchtigkeitsfest genug um über Jahre hinweg als Schablonen verwendet zu werden. Mit scharfen, skalpellartigen Messern unterschiedlicher Größe und speziellen Locheisen werden dann die Muster hineingeschnitten. Um die Schablonen noch zu verstärken wird ein Seidengewebe mit einem Teeröl-Terpentingemmisch darüber geklebt.

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Rückseite des Stempels mit dem stabilisierenden Gewebe

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 Nun haben wir hier in Europa/Deutschland also weder die unreifen Kaki noch ist es allgemein üblich ein Räucherfeuer über mehrere Tage aufrecht erhalten zu können. Und Teeröl gilt als gesundheitsgefährdend und darf nur noch unter bestimmten Bedingungen gekauft werden. Kurz: alle Voraussetzungen um das Shibugami so zu kopieren sind eher negativ. Ich werde daher über die nächsten Wochen versuchen mit anderen Mitteln ein ähnliches Schablonenpapier herzustellen. Sollte mir das nicht gelingen werde ich wohl oder übel auf Kunststoffpapier ausweichen müssen. Hinweise und Tipps werden gerne entgegengenommen.

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ein Katagami (Schablone) aus Okinawa, die eine der Teilnehmerinnen auf einem Markt erstand und die wir alle ausprobieren mussten
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 Fortsetzung folgt

 

nemo ignorat 13.05.2014, 18.15 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

So, bin wieder da

nach einer seltsamen Reise zurück in der Zeit bin ich nun wieder - zumindest körperlich - Zuhause. Mein Geist hat sich immer noch nicht mit dem Gedanken angefreundet, dass ich Freitag um 12 Uhr Mittgas von Tokyo weggeflogen bin, dann nach 10 Stunden Flug um 17 Uhr in Moskau ankam. Nach kaum 3 Stunden Pause im Transit schließlich weiterflog und nach weiteren guten 3 Stunden dann um 21 Uhr in Frankfurt ankam. Ich glaube meine Seele ist immer noch irgendwo über Sibirien.

In diesen mickrigen 14 Tagen habe ich so viele Dinge erlebt, gesehen und gelernt, dass ich immer noch ganz konfus im Hirn bin. Als Kleinstadtwesen überwältigt mich eine riesige Stadt wie Tokyo einfach.

Da gibt es Glashochhäuser
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und verwirrende Straßenseznen
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spannende Arten zu Parken
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und coole Höhlenbetten in Hostels (ich bin nicht so der Hoteltyp)
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Dieser niedliche Koffer und die Tasche daneben sind übrigens mein gesamtes Gepäck für die 14 Tage gewesen. Ich war so stolz auf mich, dass ich es geschafft habe mich wirklich auf ein Minimum von 8,7 kg zu beschränken. Und somit nur mit Handgepäck zu reisen. Auf dem Rückweg erlaubte ich mir dann den Luxus den Koffer aufzugeben und alles reinzustopfen, was ich zwischendrin ergattert hatte (außer meinem Mantel, dazu später mehr). Als check-in Gepäck hatte er dann 11,7 kg. Supercool.

In Tokyo wachsen Gingkobäume einfach so als Straßenbäume.
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Und weil Gingkobätter ja so schön sind, findet man sie auch entlang des Bürgersteig.
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Aber auch die Gullydeckel sind natürlich ganz anders.
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Und vor Bahnübergängen warnen niedliche Katzen
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Dieser war zugegebenermaßen in Fujino und nicht in Tokyo.

Bryans workshop war erhellend, erheiternd und derart vollgestopft mit Wissen, dass ich immer noch ein bisschen brauche um alles zu verdauen. Wir haben nahezu täglich die beiden Indigoküpen vor dem Haus heimgesucht, gelernt wie man unterschiedliche Shiborimuster faltet und abnäht, wir haben Katazomeschablonen benutzt, die Pampe angerührt, einen Katazomemeister besucht, in dessen Werkstatt wir schablonieren und in dessen Küpen wir färben durften. Wir flechteten Kumihimo auf Marudai, webten auf einem alten japanischen Webstuhl, bekamen eine sehr praktische Einweisung in Ikebana, wohnten einer Teezeremonie bei, arbeiteten freiwillig quasi Tag und Nacht, gingen zum Aufwärmen in ein Onsen (heißes Bad), ich sah wilde Affen aus unangenehmer Nähe, wir nähten kleine Taschen (Shifuku) und hatten jeden Tag ein Festessen in Bryans Haus oder in einem Lokal. Wir waren im Folkart Museum in Tokyo und kauften in einem Laden mit antiken Textilien ein. Ich hatte das Glück Teil einer Gruppe von interessierten Textilenthusiastinnen aus der ganzen Welt zu sein und mit ihnen lernen und Wissen austauschen zu dürfen.

Der Mantel, den ich bereits erwähnte, ist ein alter Reisekimono aus den 1930er Jahren. Es war ein Fall von Ich kam, sah und war verliebt und musste ihn haben. Er passte auf Anhieb und ich fühlte mich sofort in ihm wohl.
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Doch ein Mantel ist nicht vollständig ohne nicht mindestens eine Tasche und so machte ich ihn wirklich zu meinem Mantel, indem er eine Tasche aus einem meiner Shiboristücke bekam.
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Mehr über die Küpen, das Färben und alles andere, wenn sich mein Hirn ein wenig gesammelt hat.
So rechte Ruhe zum Ankommen hatte ich nicht, da ich noch rechtzeitig zum 88. Geburtstag meiner Mutter kam. Nun brauche ich erst einmal ein paar Tage Ruhe um alles zu sortieren und damit mein Geist meinem Körper einholen kann.
Später mehr.

nemo ignorat 11.05.2014, 20.12 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

alles bunt

Die letzten beiden Wochenenden standen wieder ganz klar unter dem Zeichen der Farben. Gerade vorhin bin ich vom dreitägigen Färbekurs im Oberbergischen zurückgekommen mit neuen Erfahrungen, ein paar bunt gefärbten Stoffen und Bildern.
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Diesmal war hauptsächlich Baumwollbatist dabei - mir ist im Moment nach dünnen Stoffen. Außerdem, da muss ich ja ehrlich sein, nehmen die dünnen Stoffe die Farbe natürlich auch besser an.
Oben sieht man etliche Färbungen. Gelbholz, Kreuzdornbeeren in reif und unreif, Blauholz und Krapp und ein paar Überfärbungen mit Indigo und Veränderungen mit Eisenacetat und das dunkle Rot ist eine absolute Luxusfarbe: Lac.
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Ein paar Döckchen Baumwollgarn war auch mit dabei und durfte beim Experimentieren mitmachen.
Morgen beginnt nun der Onlinekurs Heckenfärbung. Mal schauen, was die Umgebung so hergibt ;o)

nemo ignorat 15.09.2013, 20.30 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Rotholz oder wie die Farben der Natur die Natur zerstören können

(wie immer gibt es elendiglich langen Text auch als PDF)

Aus gegebenem Anlass* möchte ich hier ein paar Worte über Naturfarben verlieren und welche Auswirkung sie auf unsere Umwelt haben und meine Meinung darlegen, wie wir damit umgehen können.

 

Prinzipiell ziehe ich das Färben mit Naturfarben immer dem Färben mit synthetischen Farben vor. Einfach weil ich damit Ressourcen schonen möchte und weil das Färben mit Naturfarben immer noch deutlich umweltschonender ist. Aber zum Einen war es nicht immer so und zum Anderen sehe ich die Entwicklung eines gefährlichen Trend.

 

Was war

 

Bis zur Einführung der Anillinfarben im frühen 19. Jahrhundert war es natürlich Gang und Gäbe mit Farben aus der Natur unsere Welt noch bunter zu machen. Um grelle und auffallende Farben zu erhalten war den Färbern jedes Mittel recht. Sie setzten hochgiftige Stoffe im Dutzend billiger ein (wie wäre es mit Schwefelchlorid oder Kaliumdichromat) und alles wurde brav einfach so in Flüsse und Seen abgeleitet oder ins Grundwasser entlassen. Färber wurden nicht umsonst schon seit Menschengedenken an die windabgewandte Seite der Städte und Dörfer gesetzt und bitte schön flussabwärts, damit man wenigstens vor dem Färberviertel noch Trinkwasser hatte. Bei all den Färbepraktiken war es auch kein Wunder, dass Färber nicht wirklich alt wurden.

 

Diese Färbepraktiken haben sich bis heute erhalten. Man muss nur in die Länder sehen, in die unsere dreckige Färberei ausgelagert wird, weil sie eben nicht europäische Umweltgesetze haben. In vielen Ländern ist Färberei nach wie vor etwas, was mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln erledigt wird und wo die Böden ganzer Regionen nicht mehr zu bestellen sind, weil sie vor lauter Giften und Schwermetallen einfach nicht mehr fruchtbar sein können.

 

Außerdem war die Nachfrage nach bestimmten Farbstoffen so hoch, dass auch schon vor 150 Jahren einige färbende Spezies am Aussterben waren. Was mit ein Grund für die Entwicklung von synthetischen Farbstoffen war. So wie nach Kunststoffen gesucht wurde als Ersatz für Schildpatt (Teile des Panzers von Schildkröten, die man entweder lebend ins kochende Wasser warf um den Panzer aufzuweichen oder denen noch lebend der Panzer abgebrochen wird um sie dann hilflos und sterbend wieder ins Wasser zu werfen) und Elfenbein (das die Elefanten getötet werden, bevor man ihnen die Zähne ausbricht, liegt auch nur daran, dass sie so groß und relativ gefährlich sind, wenn sie sich wehren müssen). Beides geschah natürlich nicht aus Gründen des Tierschutzes, sondern weil die Produkte aus diesen Materialien extrem teuer waren und man schon um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert „Luxus für Alle“ möglich machen wollte. Sprich: größere Umsätze durch eine breitere Käuferschicht erreichen wollte.

 

Wie zerstörerisch damals schon mit natürlichen Ressourcen umgegangen wurde, zeigt das Beispiel Rotholz (Caesalpina christa und C. brasiliensis).

 

Im Englischen heißt es Brazilwood, im Portugiesischen Pau-Brasil und schockrotfärbende Hölzer kannte man schon im 6. Jahrhundert, damals kamen sie allerdings aus Asien (Caesalpina sappan). Rotholz und Rotholzlacke wurden u.a. in der Buchmalerei verwendet und der damals teure und begehrte Farbstoff kam über die Seidenstraße nach Europa.

 

Als die Portugiesen dann das heutige Brasilien fanden und eroberten, trauten sie ihren Augen kaum, denn die dortigen Urwälder waren voll mit diesem roten Riesenbaum. Sie waren darüber so glücklich, dass sie diesem „neuen“ Land einfach mal den Namen Brasilien gaben, nach dem Brazilholz. Tonnenweise wurden die Bäume gefällt und per Schiff nach Europa gebracht. Rotholz wandelte sich damit langsam von einer Luxusfarbe zu einem Konsumgut**.

 

Da so ein wild gewachsener Rotholzbaum allerdings um die 80 bis 100 Jahre benötigt um eine Stammstärke zu entwickeln, die auch das richtige Rot als Kernholz hat (also das innerste Holz eines solchen Stammes), wurden die Bäume natürlich immer weniger und seltener und man musste immer tiefer in den Urwald vordringen um noch welche zu finden.

 

Welch ein Glück kamen dann die Teerfarben auf und man musste sich nicht mehr auf die beschwerliche Suche nach diesen Bäumen machen. Auch schrumpfte das natürliche Verbreitungsgebiet des Baumes durch Brandrodungen immer mehr zusammen, so dass sie immer noch seltener wurden. Nur noch Holzhandwerker und Violinbogenbauer waren scharf auf das Pernambuccoholz. Bis die Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich eine Renaissance der Pflanzenfärberei erblickte. Aber es waren nur wenige Hippies und Alternative, die sich damit beschäftigten. Ein wirkliches Geschäft ließ sich mit ihnen nicht machen (fragt mal unsere heimischen Woll- und FarbstoffhändlerInnen wie schwer sie es bis vor ein paar Jahren noch hatten) und die Abfälle aus der Holzverarbeitung reichten noch aus um die Nachfrage zu befriedigen. Und dann wurde Naturfärberei plötzlich hipp.

 

Was wird

 

Naturfärberei liegt im Trend. Immer mehr Modefabrikanten entdecken, dass man nicht nur mit Biostoffen, sondern erst recht mit pflanzengefärbten Biostoffen ein großes Geschäft machen kann. Natürlich geht es den Herstellern von Kinderbekleidung am Besten. Denn für unsere lieben Kleinen sind wir immer bereit noch ein paar Euro mehr abzudrücken, wenn wir ihnen dann nicht diese „schädliche Chemie“ antun müssen. Und da viele Pflanzenfarben sogar so unschädlich sind, dass man sie auch essen kann, werden Lebensmittel inzwischen auch sehr gerne mit Chlorophyll, Rote Beete und ähnlichen Farben bunt gefärbt. Es geht ja nicht an, dass wir uns umgewöhnen müssten, nur weil wir plötzlich nicht mehr Azofarbstoffe verwenden können (oder sogar dürfen). Quietschbunt muss schon sein.

 

Ich habe es zuerst bei den Pflanzenfarbextrakten bemerkt. Chlorophyll, ein ohnehin schon unglaublich teurer Farbstoff, allerdings auch der einzige, der das sonst so etwas schwer fassbare Grün in Reinform zaubert, wurde aufgrund der gestiegenen Nachfrage durch die Lebensmittel- und Modeindustrie innerhalb eines Jahres um glatte 150% teurer. Und es ging weiter. Rotholz verschwand nach und nach aus dem Programm der Händler. Zu recht. Der Baum steht inzwischen unter Artenschutz weil er kurz vor dem Aussterben steht und was noch im Handel war stammte noch aus den Restbeständen und Vorräten. Die inzwischen aufgebraucht sind. Vielleicht wären wir sogar etwas besonnener mit diesem an sich kostbaren Farbstoff umgegangen, hätten wir früher die Informationen erhalten, die nun überall stehen. Caesalpina brasiliensis stirbt aus! In ein paar Jahren wird es mit etwas Pech keinen natürlich gewachsenen Brazilholzbaum mehr geben. Und bislang war der Anbau des Baums in Plantagen nur mäßig erfolgreich. Er wächst zwar schneller und benötigt im Schnitt nur noch 45 bis 50 Jahre bis er gefällt werden kann, aber das kostbare Kernholz hat nicht die Qualität und damit auch nicht die entsprechende Farbausbeute.

 

Und es bleibt nicht bei Chlorophyll oder Rotholz. Die Nachfrage nach Naturfarben wird in den nächsten Jahren noch steigen. Der allgemeine Öko- und Biotrend, so gut er auch sein mag, wird weitergehen und immer mehr Konsumenten werden nach immer mehr Produkten aus natürlichen Rohstoffen verlangen.

 

Und damit haben wir den Salat. Denn nichts auf der Welt ist in der Lage unseren Hunger nach immer Mehr und Mehr und noch Mehr mit natürlichen Rohstoffen zu stillen. Das war im 18. Jahrhundert und auch im 19. Jahrhundert nicht möglich und heute erst recht nicht. Damals (um 1800) lebten gerade einmal 1 Milliarde Menschen auf dem (und von dem) Planeten, heute sind es über 7 Milliarden und schätzungsweise werden es 2050 über 9 Milliarden sein.

 

Was können wir machen?

 

Sollen wir also doch wieder auf konventionellen Landbau, synthetische Dünger, Farbstoffe aus petrochemischen Rohstoffen zurückschwenken? Nein, petrochemische Stoffe können nicht die Lösung sein. So gut es an sich auch war, dass petrochemische und andere Kunststoffe erfunden wurden (wahrscheinlich wären die drei Schildkrötenarten ohne Zelluloid schon früher ausgestorben so gibt es immerhin noch ein paar wenige Exemplare) so sehr reden wir auch hier von endlichen Ressourcen. Auch Erdöl ist nicht unendlich auf diesem Planeten vorhanden! Und wie ich immer zu sagen pflege: sollte ich einmal die Wahl zwischen einem Leben lang bunte Klamotten und einer künstlichen Herzklappe haben, weiß ich wo meinen Prämissen liegen.

 

Ich wiederhole mich immer wieder gern. Die einzige Möglichkeit, die wir haben um mit diesem Dilemma zurecht zu kommen ist weniger und das Wenige bewusster zu konsumieren.

 

Konkret auf unsere Naturfarben bezogen heißt das, dass wir vielleicht ein wenig umdenken sollten.

 

Unsere Sehgewohnheiten und unsere Farbgewohnheiten sind von synthetischen Farben geprägt. An allen Ecken und Enden sehen wir quietschbunte Farben. Mir geht es nicht einmal darum, ob diese Farben nun natürlich sind oder nicht. Auf Proteinfasern lassen sich auch mit Naturfarben grelle Farben produzieren. Wir sind aber eine Farbpalette gewohnt, die eben nur mit bestimmten Farbstoffen auf natürlichem Wege zu erzielen ist. Einer dieser Farbstoffe ist Rotholz gewesen.

 

Natürlich können wir uns nun nach Alternativfarbstoffen umschauen, die dieselben Farben oder wenigstens ähnliche herstellen. Und welche Pflanze stirbt dann als nächstes aus?

 

Es geht nicht einmal darum, vollständig auf diese Farben zu verzichten. Vielleicht sollten wir uns einfach nur angewöhnen diese Farben als den Luxus zu betrachten der sie sind. Und sie ebenso sparsam einzusetzen.

 

Vielleicht sollten wir auch Naturfarben nicht nur nach Jahrgang betrachten (es gibt halt gute und schlechtere Jahrgänge im Wachstum einer Pflanze), sondern auch lokaler. Wie wäre es, wenn wir uns mal die Farben eines Kontinents, Landes, einer Region anschauten? Welche Farbstoffe leben in meiner nächsten Umgebung und was läßt sich mit ihnen machen? Können wir durch Alkoholauszüge oder Fermentation oder durch kaltes oder heißes Einweichen, durch Dämpfen oder im Direktfärben vielleicht unsere Farbpalette vergrößern?

 

Natürlich kaufe ich auch immer noch Farbstoffe. Krapp und Indigo zum Beispiel. Zwei grundlegende Farbstoffe in meiner Werkstatt. Nicht jeder hat die Möglichkeit seinen Bedarf an Farbstoffen aus dem eigenen Anbau zu befriedigen. (Oder den Grünen Daumen für den eigenen Anbau. Bei mir überleben nur die robustesten Pflanzen.) Und ich suche auch nach Alternativen zu dem Schockrot des Rotholz. Allerdings wird es weiterhin eine Luxusfarbe sein. Gezielt und selten eingesetzt. Vielleicht nur noch auf Seidenstickgarn. Damit sich das Färben auch lohnt.***

 


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* Der gegebene Anlass ist ein ärgerlicher Mailwechsel mit jemandem, der sich danach erkundigt hatte, ob ich ihr meine letzten Rotholzvorräte verkaufen würde und die mich dann um 3 EUR herunterhandeln wollte, weil das der Preis war, den sie in einem älteren Katalog gesehen hatte. Ich hatte mein Rotholz allerdings damals woanders gekauft und das hatte mich eben 3 EUR mehr pro Kilo gekostet gehabt.

 

** Keine Angst, die Menschen haben sich in den letzten 500 Jahren nicht so sehr verändert. Auch damals versuchten sie soviel zu konsumieren wie nur möglich war. Die Möglichkeiten – sowohl für das Individuum als auch an der Menge der Konsumgüter – waren nur geringer, das ist der einzige Unterschied.

 

*** Diese und ähnliche Fragen treiben mich gerade um. Und spätestens nach diesem Artikel sollten keine Zweifel mehr über die grundlegende Stimmung meines kommenden Buches herrschen. Es wird kein Buch mit Farbrezepten im Kochbuchstil geben. Und ich werde auch kein Blatt vor den Mund nehmen.

 

nemo ignorat 30.08.2013, 17.35 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

noch mehr Färbeklassen


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Im Moment ist Hochsaison für Färbeklassen. Und so waren wieder zwei Färberinnen bei mir und haben ihrer Passion freien Lauf gelassen.
Ich bin immer wieder begeistert, wie unterschiedlich die Ergebnisse der Einzelnen werden, obwohl wir immer dieselben Farben verwenden.

Oben von links nach rechts: Baumwollsamt mit Zwiebelschalen, Gelbholz, Krapp
Unten: Blauholz und Indigo mit Eisenacetat, Blauholz mit Eisenacetat und einfach nur Blauholz.

Da ich es eigentlich nicht mehr so machen möchte, dass wir die gebündelten Färbungen gleich am dritten Tag öffnen, habe ich diesmal eines meiner Bündel als Anschauungsobjekt geöffnet.
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Eines meiner Hemden, die ich vor etlichen Jahren mit Blüten gefärbt hatte, musste nachgefürbt werden. Und so wurden mal wieder Dahlien, Malvenblüten und diverses anderes über dem Hemd verteilt und nach einem heißem Bad blieb es über eine Woche liegen.
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Einige der schon trockenen Stoffbündelchen.
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Und dann bekam ich die Tage noch ein Buch aus Indien. Ich kriege nicht häufig Bücher aus Indien, aber ich liebe dieses leicht raue Papckpapier und die exotischen Stempel. Für mich hat es immer noch etwas wirklich Fernes und Fremdes an sich. Abenteuer. (Auch wenn ich nicht hinfahren möchte, aber das ist eine andere Sache.)
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normalerweise sehen meine Zollstmpel deutlich prosaischer aus ;o)
und das hier ist das Buch:
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Ursprünglich 1959 erschienen wurde diese Auflage 2010 gedruckt. Es hat etliche Neuauflagen hinter sich gebracht und ich kann nur sagen: zu recht. Es bietet eine grundlegende Einführung in unterschiedliche Faserarten, deren Herstellung und Pflege. Von Synthetikfasern bis hin zu Wolle und Seide. Ich bin wirklich froh, dass wir in diesen Zeiten leben, wo unsereins so fern von Indien auch Zugriff auf ein Buch einer Indian Women Writers Cooperative bekommt. Das Internet macht's möglich.
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Am Samstag, dem 7. September gebe ich übrigens eine Indigovorführung bei Kondilis Ecobau in Bonn. Beginn 11 Uhr. Ich werde die organische Reduktionsküpe zeigen und die Indigokristallküpe.

nemo ignorat 29.08.2013, 10.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Farbenlehre


. Hände der Lehrerin am Ende .
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Letzte Woche war ich bei Karin Tegeler und habe dort meinen Färben mit Pflanzenfarben auf Baumwolle und Leinen-Kurs gehalten. (Ich glaube, ich muss mir einen anderen Titel aussuchen, das kann man sich ja nicht merken ;o) )

Ach, es war wieder schön. Die Teilnehmerinnen waren so interessiert und aktiv dabei. Obwohl der Kurs offiziell nur bis 16 Uhr jeden Tag geht, haben wir regelmäßig überzogen um die vielen Sachen, die ich unterbringen wollte noch hinzukriegen.
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. Willkommenspack .
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Mit diesen Stoffproben zum Färben und den Mappen, in denen die Arbeitsblätter waren, wurden die Teilnehmerinnen begrüßt.
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. Krapp .
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Nach einiger Theorie zum Färben von Pflanzenfasern ging es dann auch ans Beizen.
Wie immer hat nicht alles so perfekt geklappt. Das Eisenacetat wollte nicht so wie ich wollte und ein großes Manko war ein mangelndes Markierungssystem. Daran arbeite ich noch. Ich habe für den nächsten Kurs auch schon Ideen wie man es besser machen kann.
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. verschiedene Farben .
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Ich weiß nicht wie das bei anderen ist, die Kurse unterrichten, aber auch zu meiner aktiven Zeit in der Erwachsenenbildung war eigentlich kein Kurs wie der letzte davor. Ich lerne ja bei jedem Kurs etwas Neues und so verändern sich die Kurse immer wieder. Und dazu kommt, dass ich ja auch zwischen den Kursen immer weiterbilde.
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. Bündelfärbungen sind immer ein großer Spaß .
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Ich weiß nicht, ob das irgendwann einmal anders werden wird. Einerseits ist es natürlich schön, wenn man sich ein Gerüst erarbeitet, auf dem man aufbauen kann. Andererseits möchte ich aber eigentlich lieber nicht in eine Routine kommen, die mir den Blick auf Neues verbaut. Ich werde sehen und die Augen aufhalten.
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. Blütenshibori einer Teilnehmerin .
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Ein Problem bei diesen Kursen ist immer Zeit. Denn letztendlich muss ich Vorgänge in 3 Tage packen, die ich zuhause in meiner Werkstatt in der Regel über 3 Wochen hinziehe.
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. überfärbt mit Zwiebel und Krapp und ausgewickelt .
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Allein die Vielfalt an Farben übersteigt schon die Zeit um ein Wesentliches. Und dann die unterschiedlichen Beizen. Andererseits ist es halt für viele schwierig längere Zeit irgendwohin zu fahren um dann halt doch eine Menge Leerlauf zu haben.
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. mal ein blauer statt eines grünen Daumen .
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Ich habe das in meinem letzten Onlinekurs recht gut zeigen können, als ich mal mitschnitt wieviel Zeit ich für die Färbeung an sich brauchte (mit Beizen und Farben vorbereiten) und über welche Zeitdauer es sich aber hingezogen hat.
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. industriell bedruckter Stoff mit verschiedenen Farben überfärbt und noch einmal überfärbt .
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Daheim kein Problem. Dann putzt man zwischendrin halt das Bad oder geht mit den Hunden spazieren oder geht außer Haus arbeiten. Aber auf so einem Kurs ...
An sich müsste man ein Retreat haben, eine Art Hotel wo man Ferien machen kann und währenddessen den Kurs abbekommt. Doch wer kann sich das schon leisten. Zeitlich und Finanziell? Ich nicht. Und die meisten, die ich so aus meinen Kursen kenne auch nicht.
Also müssen wir mit der unfertigen Welt leben.
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. Färben wie in einer asiatischen Garküche .
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Färben mit Naturfarben ist immer eine Herausforderung. Vielleicht trauen sich deshalb so wenige an das Thema. Wer weiß. Ich jedenfalls drehe gerne meinen Tanz in der textilen Welt mit meinem Anker im Pflanzenfärben. Bis zum nächsten Kurs dann, es war wieder so wunderschön.
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. mein Färbemobil (*danke Suse) .

nemo ignorat 09.07.2013, 08.30 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ein Wort zur Chemie

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Chemie ist erst einmal die Wissenschaft, die sich mit dem Aufbau, den Eigenschaften und der Umwandlung von Stoffen beschäftigt. Chemische Stoffe sind z.B. Kochsalz, Calcium oder Eisen. Beobachtungen über den Aufbau eines Stoffes treffen wir z.B. wenn wir das Kochsalz als Natriumchlorid bezeichnen. Oder eben als das Natriumsalz der Salzsäure. Und schon haben wir jede Menge Chemie im Spiel.

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 Umgangssprachlich hat sich seit einigen Jahren der Gegensatz Natur contra Chemie durchgesetzt, der mir persönlich nicht behagt. Alles was Natur ist, ist irgendwie gut und ungefährlich. Und als Chemie wird dann alles angesehen, was gefährlich ist, krank machen kann oder eben unnatürlich ist. Dabei ist alles in der Natur Chemie (oder Physik). 
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Chemische Reaktionen finden immer und überall statt. Wenn wir uns ein Ei kochen oder Spaghetti. Wenn wir das Salz in das Nudelwasser geben, findet eine chemische Reaktion statt. (Wenn das Wasser übrigens kocht und anfängt zu Verdampfen ist das Physik nicht Chemie *s*) Gerade in diesem Moment geht in der Küche eine heftige chemische Reaktion ab, denn ich koche Leinen als Vorbereitung zum Färben aus. Mit Kaliumcarbonat (K2CO3) und Natriumcarbonat (Na2CO3) oder eben auch Pottasche und reines (calciniertes) Soda genannt.

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Ich mag Chemie. Ich finde Chemie unglaublich spannend und ich habe einen unglaublichen Respekt vor chemischen Vorgängen. So wie ich einen großen Respekt vor einem Tiger habe oder einer Python. Oder auch einem Haushund. Nicht alles, was in der Natur so vorkommt ist auch ungefährlich. Und nicht alles, wo ein komplizierter Name draufsteht ist gleich giftig oder krank machend.
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so sieht Cellulose aus, der Stoff, aus dem z.B. die spinnbaren Flachsfasern bestehen.

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Und dann waren da noch die synthetischen Stoffe. Stoffe, die häufig aus fossilen (Erdöl, Kohle, Gas) Substanzen bestehen und die von Menschen zu unglaublich komplexen und in der Natur so nicht vorkommenden anderen Stoffen gemacht werden. Kunststoffe nennen wir sie auch. Und niemand hat ein Problem damit sich mit ihnen zu umgeben.

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Wenn ich so auf meinen Schreibtisch blicke, an dem ich gerade sitze und schreibe, fallen mir sofort ein gutes Dutzend Dinge aus Kunststoffen auf. Meine Tastatur, mein Monitor, die Lautsprecher, meine Digitalkamera, die ganzen Kabelumhüllungen, meine Buntstifte, die mit synthetischen Farben hergestellt wurden, der Deckel des Tintenfasses, mein Kopfhörer und die Beschichtung der Umschläge der ganzen Bücher, die im Übrigen auch mit synthetischen Farben bedruckt wurden und nicht zu vergessen, die Medikamente, die ich nehmen muss. Alles von Menschen gemacht und zwar mit umgewandelten natürlichen Stoffen. Erdöl besteht auch nur aus Tieren, die hier auf dem Planeten herumrannten. Und Viskose besteht letztendlich auch nur aus umgewandelter Cellulose von Bäumen und Gräsern.

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 Probleme können auf mehreren Ebenen auftreten
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Einmal natürlich durch die Herstellung. Viele synthetische Stoffe müssen sehr aufwändig hergestellt werden unter Zuhilfenahme von nicht ganz unbedenklichen anderen Stoffen. Sei es nun Polyvinylchlorid, Säurefarben oder Viskose. Diese synthetischen Stoffe haben einen recht komplexen Herstellungsprozess gemeinsam, der nur solange auch für die Umgebung der Fabrik, in der sie hergestellt werden unbedenklich ist, solange es geschlossene Kreisläufe gibt. Sobald die teilweise toxischen Hilfsstoffe einfach in die Umgebung gelangen, wird es für die Lebewesen in der Umgebung gefährlich.

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 Das nächste Problem besteht in der Verwendung von bestimmten Stoffen. Und hier unterscheiden sich synthetische Stoffe nur unwesentlich von natürlich vorkommenden Stoffen. Wenn ich aus Rhabarberblättern die Oxalsäure zum Beizen auskoche, muss ich vorsichtig sein. Ich sollte dabei Handschuhe tragen, denn Oxalsäure kommt zwar sehr natürlich in eben Rhabarber, Ampfer oder auch Spinat vor, aber in hoher Konzentration kann sie die Haut angreifen und beim versehentlichen Kochen auch die Schleimhäute (also am Besten im Freien arbeiten und vielleicht beim direkten Kontakt eine Atemmaske). Trinken sollte man sie ohnehin nicht.
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Oder man nehme Formaldehyd. Auch ein Stoff, der natürlich vorkommt. Der sogar im menschlichen Körper gebildet wird, wenn man statt Ethanol (Alkohol wie er z.B. in Schnaps oder allen möglichen anderen alkoholischen Getränken vorkommt) Methanol zu sich nimmt. Schon ab einer Menge von 30 ml/m³ besteht akute Lebensgefahr. Erwähnte ich übrigens, dass Formaldehyd sehr häufig in neuen Kleidungsstücken zu finden ist? Auch denen, die man direkt auf der Haut trägt. 

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Und dann gibt es noch das Problem mit der Entsorgung. Wohin mit all den Stoffen?

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 Eigentlich gibt es nur wenige Stoffe, die nicht irgendjemanden da draußen schädigen. Die ersten, die gehen sind in der Regel Wasserlebewesen. Kröten, Frösche, Amphibien und Fische werden am häufigsten geschädigt, wenn wir bedenkenlos irgendetwas in die Umgebung entlassen. Schwermetalle und andere giftige Stoffe sammeln sich in den Böden an und gehen entweder weiter in die Pflanzen oder sie lassen die Böden nach und nach absterben. Und am Schluss stirbt der Mensch. 
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Das Problem hierbei ist häufig nicht einmal, welche Stoffe in die Umgebung gegeben werden. Viele dieser Stoffe sind sehr natürlich. Bismut, Eisen, Cadmium, Zink, Kupfer, Chrom und Uran kommen sehr natürlich vor. Die liegen sozusagen einfach nur im Boden herum. Ihre Boden verändernde oder gar zerstörende Wirkung haben sie schon seit Jahrhunderten ausgeübt. Nämlich überall wo Erz abgebaut und der Abraum einfach in die Umgebung gekippt wurde.

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 Zu diesen natürlichen Problemfällen kommen seit etwas mehr als 100 Jahren nun auch noch die synthetischen. Kunststoffe, die wir als unbedenklich einstufen, die aber sich nicht oder nur schwer zersetzen. Die noch nach Jahrzehnten in den Meeren herumschwimmen und als Plastikwirbel inzwischen zu Markern für Wasserbewegungen geworden sind. Plastiktüten, die in den Mägen von Meeresschildkröten und Seevögeln gefunden werden. Und wenn sie dann langsam zerfallen, landen die giftigen Zwischenstufen wieder in der Umgebung. Und natürlich letztendlich in uns Menschen. 
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Also gibt es dann doch eine Trennung zwischen guter Natur und böser Chemie?

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 Nein. Aber es gibt die Frage nach dem Umgang. Und je mehr wir über die chemische Zusammensetzung eines Stoffes wissen und je besser wir uns mit seinen Einflüssen auf die Umgebung auskennen, desto besser können wir auch die Stoffe, mit denen wir als kleine Chemikerinnen, nämlich Färberinnen, arbeiten, auch einschätzen. Färben, sei es nun mit synthetischen oder mit natürlichen Farben, ist immer ein wenig wie das Spiel mit dem kleinen Chemiebaukasten. Da werden Moleküle auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt (Indigo), andere Moleküle größer gemacht und in Zellen finden chemische Reaktionen statt. Je mehr wir darüber wissen, desto besser können wir auch einschätzen was gefährlich für wen ist.
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Denn Kaliumaluminiumsulfat (Alaun) z.B. ist vollkommen ungefährlich für Säugetiere aber gefährlich für Wasserlebewesen. Und wenn ich das weiß, gehe ich anders damit um. Natürlich kann ich es als Beize einsetzen. Aber am Besten nicht einfach wegkippen. Entweder stark verdünnt in die öffentliche Kanalisation oder eine Dauerbeize anlegen.

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 Andererseits ist die Kaltbeize (Aluminiumformiat) reizend für die Augen, wenn man sie umfüllt und abpackt, aber sie ist in der Anwendung und Entsorgung vollkommen harmlos. Auch für Wasserlebewesen. 
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Obwohl Calciumhydroxid wirklich gefährlich klingt, kann ich die Indigoküpe, die damit hergestellt wird einfach auf den Kompost kippen. Was ich mit einer Küpe mit Hydrosulfit nicht machen sollte, es sei denn ich will, dass der gesamte Kompost umkippt und alle Bodenlebewesen darin sterben.

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 Und auch wenn es in einigen Färbebüchern noch so drinsteht: Zinnchlorid und Kaliumdichromat machen zwar wirklich, wirklich schöne Farben. Aber sie sind giftig. Im Umgang und in der Entsorgung. So gering können die verwendeten Mengen gar nicht sein, dass sie harmlos wären. 
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Ein kleines bisschen chemisches Grundwissen schadet nicht. Weder für uns Färberinnen noch für jeden anderen Menschen. Und nicht alles, wo Chemie draufsteht ist auch böse.

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 tl;dr 
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Alles in diesem Weltall ist Chemie oder Physik. Nicht alles, was aus der Natur kommt ist gut und ungefährlich. Was für wen gefährlich und was ungefährlich ist läßt sich am einfachsten mit ein bisschen chemischen Grundwissen und etwas gehörigen Respekt entscheiden.

 

nemo ignorat 28.06.2013, 20.52 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Noch ein Sturm

Ich habe den Eindruck, die heftigen und plötzlich auftauchenden Gewitter werden immer häufiger. Heute Nacht hatten wir wieder so eines. So aus dem Bett heraus, war es herrlich. Aber ohne ordentliches Haus und Dach überm Kopf würde ich so einen Sturm lieber nicht miterleben müssen ;o)

Jedenfalls lagen heute morgen dann wieder jede Menge Äste mit Sturmgaben herum. Und niedliche, junge Walnüsse und Eicheln.

Meine Hunde sind es ja schon gewohnt, dass ich alle paar Meter stehen bleibe und etwas aufsammel. Und andere Leute sehe ich um die Uhrzeit noch nicht :o)
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Die Miniaturwalnüsse lassen sich ganz einfach mit dem Messer schneiden. Ganz im Gegensatz zu ihren älteren Varianten, die so in zwei Monaten von den Bäumen fallen können.

Drückt mir mal die Daumen, dass eine Abholaktion heute gut geht. Ich habe einen Waschkessel ersteigert und nun bin ich ein bisschen nervös, dass es auch klappt.

nemo ignorat 21.06.2013, 07.27 | (0/0) Kommentare | TB | PL

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