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Blogeinträge (themensortiert)

Thema: slow craft/Nachhaltigkeit

die Ersten / the first

Darf ich präsentieren? Die ersten beiden eigenen Tomaten dieses Jahres. Zugegeben, das arme kleine mickrige Pflänzchen aus eigener Zucht, eigentlich mehr Ausschuss, denn ich hatte es gar nicht erst richtig eingepflanzt gehabt, hat anscheinend seine gesamte Lebenskraft in diese beiden Tomaten gesteckt. Nachdem sie nun reif wurden, verstarb es. Danke an das kleine Pflänzlein, die Tomaten habe ich übrigens nach dem Fotografieren verspeist und sie waren sehr lecker ;o) Die anderen Tomatenpflanzen sind übrigens groß und stark und voller Blüten und kleiner grüner Früchte, aber bislang ist noch keine reif.

./

May I present, my first very own tomatoes this year. Admittedly, the very small and dismal plant seemed to have invested all of its life energy into these two fruits, because after the tomatoes were ripe, it died. So thanks to this little plant, I feasted on my very own, very first tomatoes after I took the picture ;o) The other tomato plants in the garden are big, strong and full of flowers and little green gems but none ripe so far.

tomate.jpg

Handspindel 30.06.2010, 16.50 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Leben aus dem Stash

Vor dem Leben aus dem Stash haben die Götter der Nachhaltigkeit allerdings erst einmal das Sortieren gesetzt. Im Moment sieht es in meinem Wohnzimmer so aus:



unfertige Projekte, geplante Projekte und einfach Stoffe für Bekleidung und Decken liegen vollkommen durcheinander. Das liegt zum Einen daran, dass meine Unterbringungsmöglichkeit für die Stoffe eher - wie heißt das schöne Neudeutsche Wort? - "suboptimal" ist. Sprich, ich habe zwei Kommoden und zwei große Kisten und die stehen in meinem Schlafzimmer. Die Kommoden sind gut 90 cm tief (und die eine ist fast 2 m breit), es passt also durchaus eine ganze Menge rein, aber natürlich verliert man dabei den Überblick, besonders wenn immer nur reingestopft wird. Also habe ich nun alles einmal ins Wohnzimmer geholt um mich einer meiner absoluten Lieblingsbeschäftigungen zu widmen: dem Sortieren.

Mal schauen, welche Schätze auftauchen. ;o)

Handspindel 12.01.2010, 09.49 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Wort des Jahres 2010

Nachhaltigkeit

der ursprüngliche Gedanke der Nachhaltigkeit wurde im Forstwesen entwickelt und im 18. Jhd erstmals in diesem Sinne verwendet. (Obwohl der Grundgedanke nicht mehr aus den Wäldern herauszuholen als man wieder anpflanzt, schon im 16. Jhd aufgekommen ist)

1972 gab es das immer noch interessante Werk "Von den Grenzen des Wachstums" herausgegeben vom Club of Rome. Und hier wurde der Gedanke der Nachhaltigkeit (sustainability) auf das gesamte Ökosystem Erde mit den Menschen als Teil des Systems übertragen.


Wieso 'Wort des Jahres' ?

Wie immer ist Jude die Vorreiterin gewesen. Ihr gefolgt ist Deb und mit einigem Nachdenken gefiel mir der Gedanke ein ganzes Jahr sich einem Wort zu widmen sehr gut. Also widme ich das nächste Jahr dem Wort Nachhaltigkeit.

Im Gegensatz zu Jude wird es nicht allein meinen Faserwahn betreffen, sondern ich möchte herausfinden, wie ich mein Leben mehr der Nachhaltigkeit der mir zur Verfügung stehenden Ressourcen widmen kann.


und warum 'Nachhaltigkeit'?

Die drei englischen 'R' (reuse, reduce, recycle), 'frugal living' und 'sustainability' beschäftigen mich schon lange. Leider ist es 2009 alles ein bisschen aus dem Ruder gelaufen. Wie im Wahn fing ich an Stoffe und Fasern zu kaufen, in manchen Monaten als ob es kein Morgen mehr gäbe. Ja, ich kenn alle scherzhaften Entschuldigungen für diesen Faserwahn. Was, wenn es nächstes Jahr keine Wolle mehr gibt weil alle Schafe plötzlich Glatze tragen? Wie soll ich meine Kreativität ausleben, wenn ich nicht alle Farben des Regenbogens/diverse Fasern/Stoffe/fill blank here permanent zur Verfügung habe usw. Letztendlich sind es alles Ausreden. Mich überkam dieser Kaufrausch, weil mir Motten den größten Teil meines stash aufgefressen hatten. Anstatt darüber auch in gewisser Weise erleichtert zu sein, kaufte ich angesichts der geleerten Boxen mehr und mehr Wolle, bis ich die vorherige Menge noch übertroffen habe. 'Stash diet jojo-effect' könnte man es wohl nennen.  Und nun stehe ich da mit einem stash, der tatsächlich SABLE ist: stash aquisition beyond life expectancy.

Wenn ich bedenke, dass ich im Sommer gute 4 Wochen für einen Quilt gebraucht habe und der Aran für den besten Mann von allen nun ca 4 Monate brauchte, wird es schwierig mir vorzustellen, wielange ich leben muss, damit ich einfach nur alles aufgebraucht habe, was sich bis jetzt bei mir in diversen Kisten, Schränken und Boxen rumtreibt. Besonders wenn ich für den nächsten Pullover dann nicht mehr Industriegarn nehme, sondern handgesponnenes. Das kostet ja auch noch Zeit, in der ich weder nähen, quilten noch stricken oder weben kann.

Nein, ich denke, es ist ein Punkt erreicht, an dem ich mich erst einmal dem widmen sollte was vorhanden ist. Vorräte aufbrauchen. Vorhandene Ressourcen nutzen um nicht durch Produktion und Transport noch mehr Ressourcen zu verbrauchen. Dazu gehört natürlich auch, dass ich schauen möchte, wie ich meinen wöchentlichen Einkauf noch mehr darauf ausrichten kann. Ich versuche nun schon nur lokale tierische Produkte für den besten aller Männer zu besorgen und konzentriere mich stark auf andere regionale Lebensmittel vom Wochenmarkt (den wir ja zum Glück noch haben, sogar zweimal die Woche). Mal sehen, wieweit sich das noch ausweiten läßt.

Ich werde sehen, wielange ich es schaffe, meine Kreativität nur aus meinem stash zu versorgen.
Das ist ja immer das Schwerste.
Ich habe noch nie mir tolle Dinge für das nächste Jahr vorgenommen, dieses Jahr mache ich dann mal eine Ausnahme.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins nächste Jahr. Mal sehen, was es so bringen mag.

Handspindel 31.12.2009, 11.44 | (3/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

Die Kosten

Im  Spiegel Online (SPON) von heute gibt es einen interessanten Artikel zu den Kosten unserer bunten, billigen Kleidung. Die Hauptstadt von Bangladesh ist auch die globale Hauptstadt der billigen Stoffe, Kleidung und Lederwaren. Hier gibt es Hunderte großer und kleiner Fabriken, in denen unsere billige und bunte Kleidung hergestellt werden. Allerdings tragen die Kosten keine ethischen Arbeitsbedingungen und schon gar keine Abwasserklärung, so dass die 500.000 Kubikmeter Industrieabwässer, die sich täglich in den größten Fluss Bangladeshs ergießen, vollkommen ungeklärt dahinein geleitet werden. Die Folge davon ist, dass der Fluss inzwischen biologisch tot ist. Sauerstofflos treibt er als viskose Masse durch die Stadt und das Land und die 80% Armen des Landes baden darin, sammeln Abfälle aus dem Fluss, waschen ihre Wäsche und im Zweifel versuchen sie das vergiftete Wasser zu trinken, wenn der Wagen mit dem Trinkwasser wieder nicht gereicht hat.

Vielleicht sollten wir uns daran das nächste Mal erinnern, wenn wir wieder ein billiges T-Shirt in einem Laden kaufen. Ich fürchte auch, es hat überhaupt keinen Zweck einzelne Läden oder Marken herauszupicken, denn egal ob die Marke nun teuer oder No Name und billig ist, letztendlich lassen doch fast alle ihre Kleidungsstücke in den Sweatshops und Fabriken Asiens herstellen.

Die Kosten tragen erst einmal die Armen in Bangladesh, aber letztendlich wir alle. Das "Wasser" des Bruiganga fließt ins Meer, die Gifte aus den synthetischen Farben sind auf unserer Kleidung und werden in unser Wasser ausgewaschen und letztendlich wird der gesamte Planet vergiftet.

Handspindel 06.07.2009, 10.59 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Slow Craft - Entschleunigen III

Was Gudrun in ihrem Kommentar geschrieben hat, hat mir unglaublich gut gefallen. Man solle sich der Dinge, die man tut, bewusst sein bzw bewusst werden, "entschleunigen". Gerade dieser Begriff fehlte mir bislang, wird doch bis dato diese Diskussion hauptsächlich auf amerikanischen Seiten betrieben. Danke dir dafür.

Die Bewusstwerdung des fabrizieren und des Umgangs mit den Materialien hat mich an ein altes Sprichwort erinnert, das mir die Tage bei durchblättern eines wirklich alten Stickbuches mal wieder in die Augen gefallen ist:
 If a thing's worth doing, it's worth doing well ... oder auf Deutsch: was du tust, tu es richtig.

Ich denke, wir vergessen manchmal dieses große Glück in dem wir leben. Wir müssen unsere Handarbeit nicht aus den Grundbedürfnissen heraus ausüben gewärmt und bedeckt, gekleidet und geschmückt zu werden, sondern wir können sie ausüben aus Liebe zur Materie, aus Freude an der Tätigkeit und ja, vielleicht sogar auch aus Langeweile. Wird ein Pullover nicht heute fertig, so dann morgen, aber wir müssen in der Zwischenzeit nicht nackt rumlaufen und frieren. Entsprechend können wir uns für das Ding die Zeit lassen, die das Ding benötigt.

Handspindel 11.06.2008, 07.41 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Was in aller Welt ist slow craft? II

dies ist die große Frage. Wodurch zeichnet sich slow craft eigentlich aus? Dadurch, dass ich alles mit der Hand mache, keine Maschinen benutze? Also Handspindel vor Spinnrad und selbst gesponnenes vor gekauftes Garn? Selbst nähen vor Kaufen? So ganz kann es das ja wohl nicht sein.

Das denkt sich auch sharon b von in a minute ago. Bei ihr geht es letztendlich um den bewussten Umgang mit der Materie. Darum, dass man sich Gedanken macht und nicht nur einfach 5 Minuten Geschenke hinpfuscht. Zwei weitere, die dieses Grundprinzip leben sind Jude Hill von spirit cloth und what if und Karen Ruane von contemporary embroidery. Auf allen drei Seiten treibe ich mich nun schon seit Wochen offenen Mundes und Geistes herum und versuche mich inspirieren zu lassen ohne zu kopieren. Bislang sind meine inspirierten Versuche allerdings eher genau das, aber die drei haben ihre Kunst ja auch nicht in ein paar Wochen entwickelt, also Geduld, meine Liebe.

Jedenfalls zeigt sich bei ihnen sehr schön eine Seite der slow craft.  Die gedankenvolle Beschäftigung mit allem was sie fabrizieren (diesen Prozess kann man nicht mehr als herstellen bezeichnen, zu detailiert, zu inspiriert arbeiten die drei Damen und zu sehr klingt Herstellung nach Industrie). Immer und immer wieder werden dieselben Sachen in die Hände genommen und immer wieder wird an ihnen weitergearbeitet oder Stücke, die als nicht gelungen angesehen werden, werden auseinandergenommen und neu zusammengesetzt. Alles was sie handwerken enthält eine Geschichte.

Nun waren sharon b's Ausgangspunkt diese Fertigprodukte, die Handwerken zu einem Zusammenkleben von Fertigteilen verkommen läßt und deren Lebensdauer in etwa der Dauer ihrer Produktion entspricht, sozusagen "crafty fast food" als das genaue Gegenteil von slow craft. Ich muss gestehen, mir entgeht der Sinn dieser Dinge und es ärgert mich manchmal, dass man nicht einmal mehr in einen angeblich gut bekannten und gut sortierten Quiltladen gehen kann ohne dort schräg angesehen zu werden, weil man a) alles mit der Hand näht und b) nicht eines dieser dummseligen Kits haben will, wenn einem einfach nur eine Farbe fehlt, die man dann halt mit einem neuen Stoff ergänzen muss. Auch der Gedanke, dass ich an einem Mantel arbeite hat die Verkäuferin dort ziemlich durcheinander gebracht. Aber es sei jeder selbst überlassen, wie sie ihre Hobbies betreibt - Leben und leben lassen. Nur mit craft und gar mit slow craft hat das nun wirklich nichts mehr zu tun.

Wobei ich damit nicht meine, dass slow craft nun ausschließlich mit der Hand genäht werden müsse. Das liegt nun auch nicht jeder. Ich meine damit aber, dass jedes Teil, das man fertigt einen berühren solle und eine wichtige Rolle im Leben spielen muss. (Mit ein Grund, warum ich Handgearbeitetes nur noch an Menschen verschenke, die es zu schätzen wissen). Womit ich auch zu meinem persönlichen Steckenpferd (seit einiger Zeit) komme: Nachhaltigkeit.

Was nutzt mir die ganze schöne slow craft-Bewegung, wenn ich doch nun wieder alles neu kaufe und damit wieder zur ökologischen Wildsau werde? Und was nutzt es mir, wenn ich einerseits alles mögliche mit der Hand arbeite, andererseits aber dann doch wieder in den sweatshop gefertigten T-Shirts und Hosen rumlaufe?

Doch wer ist schon perfekt, frage ich mich. Und dieser Teil des Ganzen fällt nun wirklich am schwersten. Wie gesagt, auch ich gehe dann doch einmal in einen Quiltladen um mir irgendeinen neuen Stoff zu kaufen, weil mein Stofflager aus alten Stoffen und Kleidungsstücken nun nur selten Gelb hergibt und ich es nun eben "eilig" habe mit einem Projekt weiterzumachen und ich mir halt Gelb einbilde.
gemeint ist der Stoff für jenes Teil:
,
es musste ja unbedingt gelb sein und ich musste es "sofort" haben und nicht erst auf den nächsten Flohmarkt warten, in der Hoffnung dort das passende Gelb zu finden.

Dies soweit erst einmal von mir. Ich könnte dazu Romane schreiben und wer mich kennt, weiß, ich höre nicht so schnell von alleine auf, wenn ich erst einmal auf einem meiner Steckenpferde sitze. ;o) Kommentare? Meinungen?

Handspindel 09.06.2008, 19.53 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Slow Craft, Nachhaltigkeit I

seit einigen Jahren (nun auch schon um die 15) geistert nun der Begriff "slow food" durch die Gegend. Gemeint ist damit Nahrung, deren Bestandteile möglichst entweder selbst angebaut werden oder die wenigstens regional produziert worden sind und die man sich selbst zubereitet. Der Grundgedanke dabei ist, sich wieder auf die Jahreszeiten zu besinnen und saisonal, regional einzukaufen damit die eigene Nahrung möglichst wenig Kilometer verbraucht, Massentierhaltung entgegengewirkt wird, die Sinne geschärft werden und die heimische Küche unterstützt wird und damit man (das kam dann etwas später hinzu) möglichst wenig CO2 produziert.

Inzwischen gibt es ganze "slow movements", "slow cities" (Italien ist hier ganz groß, dort wurde auch der Begriff "slow food" geprägt) und "slow" sonstirgendwasse. Letztes Jahr kamen dann noch die LOHAS dazu und man sieht schon den neuesten Marketinggedanken dahinter.

LOHAS bezeichnet einen "Lifestyle of Health and Sustainability" und bedeutet letztendlich "ökologisch Leben durch ökologisches Einkauf". Mit Betonung auf "Kaufen". Schluss mit der Selbstkasteiung, wir wollen genießen und konsumieren und trotzdem unser schlechtes Gewissen beruhigen. Kein Wunder, dass die entsprechenden Internetseiten auch eher Einkaufsführern ähneln und schicke, junge Menschen in entsprechender schicker Kleidung in schicker Umgebung zeigen. "Moralische Hedonisten" werden sie in einem taz-Artikel genannt, aber auch "Trend Opportunisten". Man wird sehen, was in ein paar Jahren von dieser "Bewegung der Individualisten, die über den Geldbeutel bestimmen" ("Ich kaufe also bin ich Bestimmer") übrig geblieben sein wird. Persönlich stehe ich diesem "Lebensstil" etwas skeptisch und zerrissen gegenüber. Aber dazu später noch mehr.

Und nun stieß Red Thread Studios letztes Jahr im Dezember eine Diskussion über "slow cloth", "art cloth" und "slow craft" im Allgemeinen an, die durch einen entsprechenden Artikel bei Sharon B What is slow cloth? einen kleinen Rumms durch einige amerikanische Blogs machte und mich seitdem nicht mehr losläßt.

Einen Teil dieses Blogs möchte ich daher diesen Gedanken und dieser Diskussion widmen (sofern denn eine zustandekommt und ich nicht Monologe führe, für die ich bekannt bin^^)

Einige Links dazu:
slow food Deutschland
LOHAS Deutschland
slow movement

Handspindel 09.06.2008, 19.53 | (0/0) Kommentare | TB | PL