Handspindel
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Blogeinträge (themensortiert)

Thema:

ISEND 2011 Teil 2 - synthetische Farben vs Naturfarben

 

Auch ansonsten gab es unglaublich interessante Ansätze. Ein Blick der Vortragenden war natürlich auf die Situation der FärberInnen in Entwicklungs- und Schwellenländern gerichtet. Da diese, meistens in cottage industries, die Hauptleidtragenden unserer schnellen Mode sind und sich diese kleinen und mittelständischen Unternehmen keine großartigen Filteranlagen leisten (können), wäre eine Rückkehr zu Naturfarben für sie tatsächlich überlebenswichtig. In Ländern wie Indien, Pakistan, in vielen mittelafrikanischen Ländern und natürlich in Malaysia, Indonesien und allen voran Bagladesh, leben die Menschen inzwischen unter den schrecklichsten Umweltbedingungen, weil wir in den Industriestaaten einfach billige T-Shirts für unter 5 EUR haben wollen. Über die Situation der Menschen in den baumwollproduzierenden Ländern werde ich die Tage mal schreiben, im Moment geht es mehr um die FärberInnen.

 

Synthetische Farben enthalten Schwermetalle (ja, damit sind auch die Farben von Ashford, Luvotex, Procion, Lanaset und Konsorten gemeint). Soweit sollte das allen klar sein. Dazu gehören Arsen, Blei, Zink, Chrom und Quecksilber. Diese Schwermetalle entstehen zum Teil bei der Produktion der synthetischen Farben und könnten herausgefiltert werden, was allerdings die Farbzusammensetzung und damit die Farbe verändert. Oder sie gehören einfach zu der Farbe dazu (ist so häufig im Künstlerfarbbereich oder bei den Anstreicherfarben).

  

Damit wir uns also ein buntes T-Shirt für 5 EUR kaufen können, müssen eine ganze Menge Leute in den Entwicklungs- und Schwellenländern leiden. Denn dort werden dann die synthetischen Farben ähnlich gedankenlos angewendet wie hier bei unseren HobbyfärberInnen und genauso in den Ausguss oder eben gleich in den Fluss gekippt. (Hej, ich war daran auch beteiligt. Wenn ich bedenke wie viele Liter Abfallfarbe allein bei meiner ganzen Procionfärberei angefallen sind, die dann in unser Abwasser gelangten, wird mir schlecht.) Jedenfalls landen dann in Indien oder Bangladesh (um nur die hervorstechendsten Beispielländer zu nennen) die Abfälle aus der Färberei (überschüssige und ausgewaschene Farbe und ähnliches) in den Oberflächenwassern. Die Farbschlacken werden auf dem Firmen- oder irgendeinem anderen Gelände abgelagert und die Schwermetalle (meistens Arsen und Quecksilber) werden von dort ausgewaschen und landen im Grundwasser. Ja zum Teil ist der Regen in diesen Gegenden schon sehr stark mit Schwermetallen belastet.

  

Wer jetzt hergeht und sagt 'Dann müssen die halt bessere Umweltgesetze erlassen und die auch mehr kontrollieren', gehört in den Keller gesperrt. Denn letztendlich sind wir, die KundInnen, es, die den Preis bestimmen. Wer ein T-Shirt für 5 EUR haben will muss sich darüber im Klaren sein, dass daran die Vergiftung ganzer Landstriche hängt. Und Menschen dort leben, die nicht einfach woanders hinziehen können. Selbst wenn die entsprechenden Firmen schon lange dicht gemacht haben und in ein noch billigeres Land gegangen sind, müssen die Menschen dort immer noch in dem Gift leben. Und die kriegen ihre Lebensmittel auch nicht einfach aus dem Supermarkt. Die bauen ihre Lebensmittel in diesem giftigen Boden an. Wir geraten hier vor möglicherweise radioaktiv verseuchten Waren aus Japan in Panik? Das ist alles ganz schön und gut, aber wir können einfach aufhören die Waren von dort zu kaufen. Die Menschen in Indien und in Bangladesh können sich keine anderen Lebensmittel suchen. D.h. Alles und alle, die dort leben sind vergiftet – auf Jahrzehnte hinaus. Und warum? Nur weil wir hier ein buntes T-Shirt für 5 EUR haben wollen. Ist es das wirklich wert?

  

Und hier setzen nun Naturfarben ein – nur um mal wieder auf ISEND 2011 zurückzukommen. Sie stellen eine greifbare Lösung dar um vor Ort synthetische Farben zu ersetzen. Dazu wurden auf dem Symposium etliche Projekte vorgestellt, in denen nachgesehen wurde, welche möglichen Naturfarben befinden sich denn in der näheren Umgebung? Woher bekommt man möglichst ökologisch sinnvoll Naturfarben im größeren Maße? Denn es macht ja auch keinen Sinn, ein Übel durch ein anderes zu ersetzen und entweder indigene Pflanzen von fremden Pflanzen überrollen zu lassen, indem man sie in größerem Stil anbaut, oder gar die heimische Pflanzenwelt auszulöschen, indem man nun anfängt sie in größerem Stil zu pflücken. (Ein Aspekt, den wir hier übrigens auch beachten müssen.) In etlichen Gegenden Indiens sind zB die heimischen indigotinhaltigen Pflanzen schon ausgelöscht geworden, weil Indigofera tinctoria vor 200+ Jahren im großen Maße angebaut wurde. Als die Nachfrage nach natürlichem Indigo nachließ, wurden viele Felder vernachlässigt und so breitete sich Indigofera tinctoria nach und nach immer weiter aus und verdrängt so auf nimmer Wiedersehen die heimischen Indigotinpflanzen.

  

Das ist ein Fehler, den wir nicht noch einmal machen sollten. Entsprechend gingen auch diese Projekte ran und suchten nach einfachen, günstigen Quellen für Naturfarben. In einem Projekt in Malaysia wurden die Lebensmittelabfälle der dortigen Märkte nach brauchbaren Färbepflanzen untersucht. Viele Pflanzen, von denen wir noch nichts wissen, färben Stoffe brauchbar. Und sie stießen auch auf diverse indigene Früchte und deren Schalen, die man dazu verwenden kann. In einem anderen Projekt in Indonesien ist man hergegangen und hat den Schnittabfall aus dem Garten- und Landschaftsbau zum Färben genommen. Teilweise weil es schon bekannte Färbepflanzen waren, teilweise hat man die Pflanzen neu untersucht. Wie auch in La Rochelle, wo die Bereinigung eines Marschgebietes von Rhamnus frangula dazu benutzt wurde Tonnen an brauchbarem Färbematerial zu bekommen.

  

Aber einen weiteren Aspekt darf man nicht aus den Augen lassen. Es wird nicht nur soviel mit synthetischen Farben gefärbt, weil nichts anderes vorhanden ist. Synthetische Farben sind günstig und auch einfach in der Anwendung und genau dosierbar mit einigermaßen wiederholbaren Ergebnissen. Den finanziellen Aspekt versuchte man eben darüber abzudecken, dass man heimischen Pflanzenabfall zum Färben nahm. Einfach wird es aber zB dann eher mit den Farbextrakten. Einer der großen Hersteller von Farbextrakten von Naturfarben ist Coleurs des Plantes . Oder es gäbe da noch Earthhues, die auch schon seit über 25 Jahren Farbextrakte herstellen. Diese können ähnlich einfach wie synthetische Farben angewendet werden.

  

Letztendlich liegt die Verantwortung aber immer wieder bei den KonsumentInnen. Denn nur sie können durch ein verändertes Kaufverhalten auch steuern ob es bessere Bekleidung gibt, die nicht andernorts Menschen das Leben kostet.

(Lucy Siegle. To Die For. Is Fashion Wearing out the World. 2011 empfehlenswerte, weiterführende Lektüre zu diesem Thema)

 

Morgen geht es dann weiter mit ein paar Kritikpunkten an ISEND 2011 und einem Exkurs zu Artisan- und experimentellen FärberInnen.

 

Handspindel 08.06.2011, 07.50 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

7-14 Tage ...

... wird mein armer Compi dann wohl nun in Reparatur sein. Leider war es ein PC von der Stange, so dass er eingeschickt werden muss und das dauert dann nun einmal solange. Ich bin frustriert. Und mit der Renovierung geht es auch nicht so schnell voran, wie ich es gehofft hatte.

Oh, wer sich übrigens wundert, wie sie denn nun immer noch bloggen kann: ich hab zum Glück noch meinen alten Laptop, der taugt zwar nichts für WoW, aber immerhin kann ich damit bloggen, mailen und surfen. Wenigstens etwas ;o)

Handspindel 24.11.2008, 14.30 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

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