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Beizen von Baumwolle und Leinen
Ich arbeite nun schon seit einigen Jahren nur noch mit pflanzengefärbten Stoffen. Baumwolle und Leinen sind meine Hauptfasern, doch ich habe auch schon mit dem Nepalbrennesselstoff gearbeitet und diversen Hanfstoffen. Gemäß der Fachliteratur habe ich alle möglichen Art von Beizen ausprobiert. Ein-Tages-Beize in einem Topf, Drei-Tages-Beize, Beizen mit Tannin, Soda und Alaun, Beizen mit Karin Teglers Kaltbeize, nur Alaun, Essigsaure Tonerdebeize, was auch immer so an Beizen rumschwirrt und brauchbar ist. Ich habe sogar vergleichende Beiz- und Färbeversuche angestellt. Ein Stück Stoff in Tannin-Soda-Alaun (in einem Topf) gebeizt, ein anderes mit nur Alaun und ein Drittes mit Tannin-Alaun-Soda in einer Dreitagesbeize. Letztendlich ergaben sich keine Unterschiede. Je nach Tanninquelle sind die Stoffe mal etwas mehr oder weniger beige schon aus der Beize gekommen. Am Besten war dahingehend Tarapulver, denn das läßt sich nahezu rückstandsfrei auswaschen.
Kurz, ich habe alles mögliche ausprobiert. Und weil in letzter Zeit immer mehr Leute auf den Geschmack mit Pflanzengefärbten Bast- und Zellulosefasern kommen, dachte ich mir, ich gebe meine Erfahrungen in diesem Bereich mal weiter.
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Meine Erfahrungen mit dem Beizen von Bast- und Zellulosefasern lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Die Art der Beize ist nicht entscheidend. Wichtig ist eine gründliche Reinigung vor dem Beizen/Färben. Dabei sollte man sich nicht auf einen Waschgang in der Waschmaschine verlassen. Baumwolle und Leinen enthält von Natur aus Harze und Öle, die eine Aufnahme der Beize und auch der Farben verhindern. Werden diese Stoffe nun in einer Dreistufenbeize erst in Soda ausgekocht, dann in Tannin ausgekocht und schließlich noch in heißes Alaun gelegt, so ergibt sich eine Reinigung durch den Beizvorgang. Was meines Erachtens überflüssig ist.
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Am Besten ist es vor dem Beizen bislang ungebrauchte Stoffe in ausreichend Wasser in einen großen Topf zu geben und mit 3 - 4 gehäuften Esslöffel Soda und ein paar Seifenflocken (oder etwas Spülmittel) AUSZUKOCHEN! Damit ist wirklich zum Siedepunkt erhitzen und eine Stunde auf dieser Temperatur halten gemeint. Keine Angst, den Stoffen passiert nichts. Danach läßt man die Seifenbrühe abkühlen bis sie handwarm ist und man gießt ab oder holt den Stoff raus. Sollte das Wasser extrem verschmutzt sein, wiederholt man den Vorgang. Nun kann der Stoff in aller Ruhe in die Waschmaschine um von der Lauge befreit zu werden.
Danach ist er bereit zum Beizen. Nach den ganzen Experimenten, die ich gemacht habe, reicht eine Standard Kaltbeize von Karin Tegler, die man allerdings auf 50 - 60 Grad für eine Stunde erhitzt und dann läßt man den Stoff darin über Nacht liegen. Oder man nimmt 10% Alaun (auf das Trockengewicht des Stoffes). Das Alaun muss in sehr heißem Wasser aufgelöst werden. Alaun hat eine ganz schlechte Kaltlöslichkeit. In den Beiztopf geben, gut verrühren, damit es sich gut verteilt und den nassen Stoff reinlegen, damit die Aufnahme des Alaun gewährleistet wird. Mit diesem Alaun wird der Stoff in der Beize nun etwa eine Stunde auf bis zu 90 Grad erhitzt und dann im Topf erkalten lassen.
Man kann auch Karins Kaltbeize kalt ansetzen und den nassen Stoff darin einlegen, dann muss er aber mindestens 2 Tage in der Beize liegen bleiben.
Eine weitere Möglichkeit der Beize ist eine einfache Tanninbeize. Dieses Tannin kann aus verschiedenen Pflanzen stammen, allerdings wird es immer auch eine Grundfärbung ergeben. Das Katechu (beige), Myrobalan (wird einen Gelbstich hinterlassen), Eichenrinde (beige bis dunkelbraun), Eicheln (beige bis dunkelbraun), Walnussblättern (gelb bis beigebraun), Tara (nahezu neutral) stammen. Oder man nimmt Oxalsäure aus Rhabarberblättern, Sauerampfer, Wiesenampfer oder anderen Sauerpflanzen. Diese werden alle einen Gelbstich hinterlassen.
Je neuer der Stoff, desto mehr petrochemische Nebenstoffe befinden sich noch in der Baumwolle. kommerzielle Baumwollstoffe werden mit diversen petrochemischen Ölen und anderen Chemikalien bis hin zu Formaldehyd konditioniert um sie leichter spinnbar, webbar und auch für den Verbraucher leichter waschbar zu machen. Leider dringen diese Stoffe nicht nur im Laufe der Zeit in unseren Körper ein, sie werden nach und nach mit der Wäsche auch ausgewaschen und gelangen so in unseren Trinkwasservorrat und für uns Färberinnen, sie verhindern effektiv eine Aufnahme der Farben. Daher ist eine gründliche Reinigung absolut notwendig.
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Krapp auf alter Baumwolle, gebeizt mit Kaltbeize
Handspindel 28.09.2011, 11.47
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Kommentare zu diesem Beitrag
Liebe Uli,
vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht! Bevor ich meine Stoffe eine Stunde kochend mit Alaun und Soda beizte, habe ich sie in der Waschmaschine mit Sodazugabe im 95°-Programm gewaschen. Will mal hoffen, dass das ausreicht, auch wenn es nicht gekocht hat. Ich bin schon gespannt auf die Färbungen. Allerdings komme ich in der Arbeitswoche erst abends nach Hause - bleibt also nur das Wochenende...
Sag mal, wo beziehst Du Deine Zutaten für eine Indigoküpe? Ich brauche nämlich noch Natriumdithionit und Ätznatron für eine Küpe nach Uta.
Herzlichen Dank für alles, was ich schon von Dir lernen durfte
Jana
vom 29.09.2011, 08.39
Hallo Uli,
danke für die tolle Anleitung. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie braun die Sodabrühe nach einer Stunde Kochen ist. Die Stoffe sehen doch vorher immer so schön sauber aus
Da kann man mal sehen, wie viel Igitt da noch drin ist. Ich werfe Stoffe nach der Sodasauna und der Waschmaschine übrigens in Karins Kaltbeize und lasse sie da einfach so lange drin, bis ich sie brauche. Ich hatte schon monatelang in der Kaltbeize eingefrorene Stoffe,die nicht darunter gelitten haben. Aber am schönsten sind doch immer noch die alten Bettbezüge von der Recyclingbörse!
Bunte Grüße,
Sprotte
vom 28.09.2011, 21.13
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Die Bilder - ein Augenschmaus
und die Informationen bestens zusammengefaßt und nachvollziehbar.
Danke, Danke, Danke!
vom 03.10.2011, 17.39